50 Jahre erfolgreicher Dienst der Kirche in der Polizei



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Die Delegation aus dem Erzbistum Paderborn
nach dem Ökumenischen Festgottesdienst in der
St. Maximilian-Kirche Düsseldorf (v. l. n. r.):
Diakon Hans-Joachim Bexkens, Pfarrer Georg Wagener,
Generalvikar Alfons Hardt, Pfarrer Johannes Insel,
Diakon Peter Schulze-Pelkum und Msgr. Wolfgang Bender
als Diözesanbeauftragter für die Polizei-, Feuerwehr-
und Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn.

Paderborn, 3. Juli 2012

Am 2. Juli 1962 vereinbarten die fünf katholischen (Erz-) Bistümer und die drei evangelischen Landeskirchen in NRW mit dem Land Nordrhein-Westfalen die Wahrnehmung der konfessionellen Polizeiseelsorge. Auf den Tag genau 50 Jahre danach begingen die Kirchen in NRW, darunter auch eine Delegation aus dem Erzbistum Paderborn, dieses runde Jubiläum mit einem Ökumenischen Festgottesdienst und einem anschließenden Empfang in Düsseldorf.
Gemeinsam mit zahlreichen Festgästen feierten der Aachener Bischof Dr. Heinrich Mussinghof als Vertreter der katholischen (Erz-)Bistümer und Dr. h.c. Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, den Gottesdienst. Als Vertreter der nordrhein-westfälischen Landesregierung nahm Innenminister Ralf Jäger an dem Festakt teil. Auch der Paderborner Generalvikar Alfons Hardt und Msgr. Wolfgang Bender, Diözesanbeauftragter für die Polizei-, Feuerwehr- und Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn, sowie weitere Vertreter seines Polizeiseelsorge-Teams aus dem Erzbistum waren nach Düsseldorf gereist, um das runde Jubiläum mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf Landesebene zu feiern.

Bei einer vorangegangenen Pressekonferenz im Düsseldorfer Landtag verwies Weihbischof em. Franz Grave (Essen) als Vertreter der katholischen (Erz-)Bischöfe Nordrhein-Westfalens am Vormittag auf die Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils: „Diese Konstitution fordert, dass die Kirche ,mitten in der Welt’ bei den Menschen sein muss. In dieser Perspektive kann die Kirche im Bereich der Polizeiseelsorge nur glaubwürdig und kompetent sein, wenn sie bei den Beamtinnen und Beamten ist."

In diesem Sinne würdigte auch NRW-Innenminister Ralf Jäger die Arbeit der Polizeiseelsorger: „Sie hören zu, sie richten auf. Sie finden da tröstende Worte, wo die polizeiliche Struktur Professionalität verlangt. Sie haben stets ein offenes Ohr für den Menschen in Uniform ebenso wie für seine Angehörigen." Kriminalkommissarin Juliane Schild, die ebenfalls an der Pressekonferenz teilnahm, berichtete von ihren eigenen Erfahrungen: „Wichtig ist es für uns Polizeibeamte, zu wissen, dass wir unsere Last nicht allein tragen müssen. Denn nur so können wir gesund an Leib und Seele bleiben und damit auch unseren Dienst für die Bürger dieses Landes versehen."

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Kamen bei der Landespressekonferenz im NRW-Landtag
auch untereinander ins Gespräch (v. l. n. r.):
Weihbischof em. Franz Grave als Vertreter der
katholischen (Erz-) Diözesen in NRW, Kriminalkommissarin
Juliane Schild, Dr. h.c. Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender
der Evangelischen Kirche in Deutschland und Präses der
Evangelischen Kirche im Rheinland, sowie
NRW-Innenminister Ralf Jäger

In der Polizeiseelsorge im Erzbistum Paderborn engagieren sich derzeit 14 Seelsorger. Ihre Hilfe wird von Polizeibediensteten zunehmend stärker nachgefragt: Wenn Polizisten in schweren Einsätzen wie zum Beispiel 2010 bei der Loveparade in Duisburg, Amokläufen oder Tötungsdelikten belastenden Ereignissen ausgesetzt sind, sind die Polizeiseelsorger wichtige Begleiter, damit die Beamten an ihren Erlebnissen psychisch nicht zerbrechen. Mehr noch: Durch die berufsethische Aus- und Fortbildung vermittelt die Polizeiseelsorge den Einsatzkräften ein christliches Menschenbild und ermöglicht so eine menschliche Umgangsweise mit Tätern wie mit Opfern.

Neben dem zentralen Festakt wurde das 50-jährige Jubiläum der Polizeiseelsorge NRW mit einem umfangreichen Zyklus regionaler Veranstaltungen begangen – von zwei wissenschaftlichen Symposien zum Thema „Seelsorge und Berufsethik für die Polizei" in Gelsenkirchen und Selm über ein Benefizkonzert für Stiftung Polizeiseelsorge in Köln bis zum großen Tag der offenen Tür „Kirche trifft Polizei" in Essen. Auch die Polizeiseelsorge im Erzbistum Paderborn hat sich mit einem eigenen Beitrag an diesem Programm aktiv beteiligt: Im April fand der Auftakt des Jubiläumszyklus mit einem Bildungs- und Kulturtag in Paderborn statt.

Msgr. Wolfgang Bender ist stolz, seit Jahren attraktive Fortbildungs- und Freizeitveranstaltungen für die Polizeibediensteten im Erzbistum anbieten zu können. Aktuell steht etwa unter anderem eine Fortbildungsreihe zum Thema „Polizei und Gewalt" auf dem Programm. „Polizisten leisten einen wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Die Polizeiseelsorge agiert somit an einer wichtigen Schnittstelle zur sozialen Realität. Dadurch entstehen pastorale Orte, an denen die Kirche Beistand für die Polizeibeamten sein kann, um ihnen Sorge, Leid und Überforderung abzunehmen. Das ist Dienst der Kirche in und an der Polizei. Polizeiseelsorge ist daher, nach Aussagen unserer Politiker, eindeutig ein Erfolgsprojekt und müsste, falls es sie nicht gäbe, erfunden werden", resümiert Msgr. Bender zu 50 Jahren Polizeiseelsorge in Nordrhein-Westfalen.