Vereidigung Köln 2016




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Vereidigungsansprache von Polizeidekan Msgr. Wolfgang Bender

Liebe Kommisaranwärterinnen + -anwärter und ihre Familien, sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin, sehr geehrte Herren Minister Jäger und Inspekteur Heinen, geehrte Herren und Damen Ehrengäste, verehrte anwesende Polizeibeamtinnen + beamte aus allen Landesteilen!

Zuvor gratuliere ich den Veranstaltern dieser Feier, dem PP Köln und allen Beteiligten, herzlich zur wiedereinmal gelungenen Präsentation der Polizei in Nordrhein-Westfalen heute. Danke für diesen grandiosen Vormittag. Ich tue dies auch im Namen der hier anwesenden evang. + kath. Polizeiseelsorgerinnen + -seelsorger. Die Polizei in unserem Bundesland ist ein Plus für unsere Bürger und für uns selber, wie wir erleben konnten.

Liebe Kommisaranwärterinnen und –anwärter:

Es ist nicht nur so üblich, aus Tradition oder weil es sich so gehört, sondern, denke ich als Polizeidekan und Vertreter der Kirchen in der Polizei, sinnvoll, daß Ihnen auch ein Geistlicher Mut zuspricht anläßlich der Verantwortung, die sie mit der Vereidigung gleich übernehmen.

Ich sage ihnen gerne:

Sie haben einen einzigartigen, sinn – bringenden, im wahrsten Sinne des Wortes not – wendigen + schönen Beruf erwählt, in dem sie Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen schützen, retten, helfen + beistehen können. Einen Beruf, der mehr ist als eine Erwerbstätigkeit, in dem sie als Person ganz gefordert sind, und sich mit ihren Talenten + Begabungen voll einbringen können. Wir haben gesehen, welche verschiedenen Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung es bei der Pol gibt. Jede/jeder von Ihnen kann einmal Inspekteur der Pol NRW werden, muß er oder sie aber nicht, da es noch viele andere spannende Tätigkeiten gibt. Aber denken Sie auch daran: nicht Karriere ist wichtig, sondern ebenso Zufriedenheit und Einklang durch ein funktionierendes privates + dienstliches Umfeld.

Für sie alle gilt: es erfordert immer wieder Ausdauer, nicht nur im Studium + in den Trainings in unseren Pol- ausbildungsstätten + in den Praktika in den Behörden, sondern auch Mut, sich immer wieder einzusetzen + nicht aufzugeben in schwierigen Dienstlagen, und trotz unangenehmer + scheinbar aussichtsloser Situationen mit Freundlichkeit, Geduld + professioneller Hingabe dem polizeilichen Gegenüber zu begegnen, und sei er/sie noch so nervend. Denn: das, was ich bin, lebe ich und das, was ich gelernt habe, gebe ich. Mit Herz und Verstand!

Einige haben in den vergangenen Monaten schlecht über die Pol geredet:

unprofessionell, nicht fähig, nicht einsatzbereit, uneffektiv, schlecht geführt u.s.w. soll sie sein. Ich sage Ihnen: Lassen sie sich Ihren Beruf, ihre Berufung zum guten Schutzmann oder zur guten Schutzfrau nicht vermiesen. Wir brauchen keine Miesmacher + Besserwisser, sondern Menschen, die aktiv gemäß der Verfassung unseres Staates helfen und sich einsetzen für Menschenwürde, für Menschen in Not, auch für Menschen auf der Flucht, für Gerechtigkeit gegenüber jedermann, wie es gleich in der Eidesformel heißen wird. Polizeibeamte sind solche Helfer und Beisteher gegen jegliche Form von Extremismus + Fanatismus + Gewalt. Sie werden objektiv gegen Kriminelle einschreiten, egal welcher Kultur oder Religion oder Weltanschauung sie angehören und welche Hautfarbe sie haben. Daß Pol auch mal Fehler machen kann, besonders auch sie als Anfänger im Dienst, das gehört zum Menschsein dazu. Denn in jeder Uniform steckt ein Mensch. Sie werden sich bemühen, keine Fehler zu machen, aber kein Mensch ist perfekt.

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Das einzige, daß man der Pol vorwerfen könnte, wäre, daß sie bei den immer mehr werdenden neuen + anspruchsvollen Aufgaben auch mit Menschen aus anderen Kulturkreisen, zu wenige und in den vergangenen Jahren immer weniger Polizeivollzugsbeamte geworden sind, die diese für unsere Gesellschaft wichtigen Aufgaben meistern können. Aber da haben unsere Politiker ja versprochen, gegen zu steuern + mit Neueinstellungen Abhilfe zu schaffen. Das stimmt doch.

Und das ist würdig und recht.

Ich gratuliere ihnen, liebe zu Vereidigende, zur Wahl ihres guten und meist schönen Berufs.

Lassen sie es sich auch noch mal von der PS sagen:
Wir stehen aber auch gerne mal für eine Taufe oder Trauung zu Verfügung.

Wie wichtig Seelsorge durch Gespräche + Zeichen für sie, die Polizisten auch in Krisenzeiten ist, wurde mir wieder deutlich bei der Begleitung der Familien, Kolleginnen + Kollegen der Dienstgruppe der Autobahnpolizei + sonstiger Beteiligter, beim schweren Verkehrsunfall, der sich Anfang Juli letzten Jahres bei uns im Osten unseres Bundeslandes ereignete. 2 Polizeibeamte kamen dabei ums Leben. Polizeiseelsorger waren mit PSU-Teams der Polizei NRW im Einsatz + begleiteten die betroffenen Kollegen. Das zeigt auch: Leben bleibt lebensgefährlich, besonders auch in ihrem Beruf.

Gutes Gerät, gute Ausbildung + Anleitung zur Eigensicherung, die sie erhalten werden, sind da lebensrettend. Und die Gemeinschaft der Pol als wichtiges Gut. Sie wird gelebt, wo Kolleginnen + Kollegen verantwortungsbewußt füreinander da sind, nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch im normalen Dienstalltag und eben nicht nur Karriere oder ihr eigenes Ich im Kopf haben.

Wir, die Polizeiseelsorger sind für sie da, nicht nur heute beim Feiern, sondern auch in schwierigen Lebens- und dienstlagen.

Und so gratulieren wir ihnen und ihren Familien zum wichtigen Schritt des Versprechens hin zu ihrem Traumberuf + wünschen noch eine schöne heutige Feier. Lachen sie es ruhig krachen, wie man so schön sagt. Und so freuen wir uns auf ein Wiedersehen in den Fachhochschulen, in unseren Ausbildungszentren, in den Dienststellen oder auf der Straße.

Wir beten dafür, daß die höhere Macht, die unser Leben in Händen hält und die wir Gott nennen, sie schützt, motiviert + begleitet – ein Leben lang.

Gott schütze sie – mit seinem guten Geist - immer.
Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.

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