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Bildergalerien / Berichte 2009





Polizeiseelsorgeseminar Hardehausen November 2009


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Pilger- und Studienreise Israel / Jordanien Oktober 2009


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Mit dem Lateinischen Patriarchen nach der Ehrung von Konrad Schmidt zum Ehrenkanoniker vom Heiligen Grab


Die Polizeiseelsorge im Erzbistum Paderborn in Zusammenarbeit mit der Landvolkshochschule Hardehausen führte im Oktober 2009 eine Pilger- und Studienreise nach Israel und Jordanien durch. Die 44 Teilnehmer setztensich aus aktiven und ehemaligen Polizeibeamten und ihren Angehörigenzusammen. Die Leitung hatten Rektor Monsignore Konrad Schmidt undPolizeidekan Monsignore Wolfgang Bender.

Der erste Teil der Reise konzentrierte sich auf die Gegend um den See Genezareth mit den in der Bibel genannten Orten des Wirkens von Jesus bei der Brotvermehrung, seinen Predigten in der Synagoge von Kapharnaum und seinen Wanderungen in das Gebiet Caesarea Philippi nach Banjas zur Jordan-Quelle. Der heimische Reiseleiter Yair Bunzel informierte über die Geschichte Israels und über die Kriege mit seinen Nachbarn Syrien, Jordanien und Ägypten. Auch ökologische Probleme blieben nicht unbehandelt wie das Problem, genügend Wasser für die Bevölkerung und die Landwirtschaft bereitzustellen. In den letzten Jahren hat es viel zu wenig Niederschlag gegeben, so dass der Wasserspiegel des Sees Genezareth stark gesunken ist. Eine Wanderung am Jordan von der Quelle bis zum Jordan-Wasserfall zeigte anschaulich, wie nahe üppiges Leben am Wasser und karge Wüstenlandschaft wenige hundert Meter daneben beieinander liegen.

Auf den Golan-Höhen wurde bewusst, wie wichtig dieser Landstrich für die Sicherheit Israels ist. Mindestens genauso wichtig sind aber auch die Wasservorkommen in den Bergen. In Nazareth beeindruckte die Verkündigungskirche. Innerhalb der Stadt wurde dann ein Eieranschlag auf den Bus der Reisegruppe verübt. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren.

Im Polizeiausbildungsinstitut Qiryat Ata empfing uns Dr. Harel, der Einblick in die geschichtliche Entwicklung der israelischen Polizei gewährte. Die Kriminalitätsquoten seien ähnlich wie in mitteleuropäischen Staaten. Auch steige hier die Gewaltkriminalität. Da Gewerkschaftstätigkeit nicht erlaubt ist, sei die Bezahlung unterdurchschnittlich. Dem Polizeistandort ist ein Polizeimuseum angegliedert, das die Entwicklung seit der Zeit des britischen Völkerbundsmandats bis zur modernen Polizei Israels zeigt.

In Akko, der alten Festungsstadt am Mittelmeer, beeindruckten die wieder ausgegrabenen Gewölbe der Bauten der Kreuzritter. Leider verfällt die noch vollständig erhaltene Karawanserei zusehends. Es ist kein Geld für die Erhaltung vorhanden. Wegen der Baufälligkeit ist nur noch ein kleiner Bereich zu besichtigen.

Der zweite Teil der Reise führte nach Jordanien. Der Grenzübertritt an der Scheich-Hussein-Brücke dauerte zweieinhalb Stunden. Bei der Ausreise aus Israel musste der Bus nochmals zurückfahren, alle Gruppenmitglieder mussten aussteigen und nochmals ihren Pass vorzeigen. Die Fahrt mit einem jordanischen Bus ging südwärts am Jordan entlang bis zum Toten Meer. Erschreckend sind die Lebensbedingungen der Bevölkerung hier an der Ostseite der Jordansenke, die hier in slumähnlichen Verhältnissen lebt. Besser wurde dieser Eindruck in der Nähe der Hauptstadt Amman, die aber nur gestreift wurde auf der Fahrt zum Berg Nebo, von dem Moses nach der Flucht aus Ägypten das Gelobte Land sah, es aber nie erreichen sollte. An diesem Tag war die Luft so diesig, dass das Tote Meer und die Stadt Jericho nur erahnt werden konnten, ein Blick bis nach Jerusalem vollkommen unmöglich war. In Madaba in der St. Georgs-Kirche wurde das fast 1500 Jahre alte Mosaik bestaunt, welches die Welt in der damaligen Sicht zeigt. Nach fast 200 km Fahrt über die Autobahn wurde spätabends Wadi Musa erreicht, unser Ausgangspunkt für die Exkursion in die Felsenstadt Petra. Zur Autobahn ist zu sagen, dass sie mit unseren nicht zu vergleichen ist. Es handelt sich um zwei zweispurige Fahrstreifen, die durch einen eher über zehn Meter breiten Mittelstreifen aus Sand voneinander getrennt sind. Wohnbebauung am Rand macht sich schon mehrere Kilometer vorher an der Beschilderung bemerkbar, die darauf hinweist, dass eine Schwelle quer über die Fahrbahn gelegt ist, ein sogenannter „Schlafender Polizist“. Diese bremst jedes Fahrzeug fast bis zum Stillstand. Eine effektive Möglichkeit, die Menschen, die direkt an der Autobahn wohnen zu schützen.

Frühaufstehen war angesagt, so dass mit dem schönsten Licht die 1,2 km lange Schlucht, eine trockene Klamm mit 100 m hohen Felswänden, durchwandert wurde, an dessen Ende das Schatzhaus der Nabatäerstadt in der Sonne glänzte. Unter Einbeziehung der vielfarbigen Gesteinsschichten haben die Erbauer vor mehr als 2000 Jahren einzigartige Tempel, Gräber und Häuser aus dem Fels geschlagen. Die Vorabendmesse zum Sonntag feierte die Gruppe in der ausgegrabenen byzantinischen Kirche. Am Nachmittag wurde von einigen der hoch über dem Tal liegende Opferplatz erklommen, der einen Gesamtüberblick über Petra bietet.

Am nächsten Morgen ging es weiter über die Seidenstraße Richtung Süden. Wer weiß schon, dass in dieser Wüstenlandschaft im Winter Schnee bis zu 3 Metern fällt. Immerhin erreichen die Berge hier Höhen von 1600 Metern. Im Wadi Rum wurde mit Jeeps eine Wüstensafari durch die beeindruckenden Felsformationen dieses trockenen Flusstals gemacht.

In Aqaba erwartete die Reisegruppe in der Polizeidirektion des Regierungsbezirks Polizeipräsident Mohammed Zuba mit seiner Führungsmannschaft. Der Empfang war äußerst gastfreundlich bei Tee, Kaffee und Gebäck. Dies sei der erste internationale Polizeibesuch in der Hafen- und Handelsmetropole am Roten Meer. Hauptaufgabengebiet der Polizei ist die Kriminalitätsbekämpfung. Zu den weiteren Aufgaben gehören die Herstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, die Grenzpolizei und die Touristenpolizei. Frauen haben einen Anteil von ca. 35 % und werden wohnortnah nur im Tagesdienst eingesetzt. Ausgestattet ist die Polizei mit neuesten Fahrzeugen aus Wolfsburger und Ingolstädter Produktion. Zur Israelischen Polizei gibt es eine gute Zusammenarbeit. Die Wiedereinreise nach Israel gestaltete sich weitaus problemloser als die Ausreise zwei Tage vorher. Nach dem Bezug des Hotels in Eilat besuchte ein Teil der Gruppe das Unterwasser-Observatorium, der Rest badete bei Sonnenuntergang im Roten Meer.

Ein besonderes Badeerlebnis stand am kommenden Tag auf dem Programm. Nach der Fahrt am Rand der Negev-Wüste mit ihren immer wieder neuen Erscheinungsformen wurde das Tote Meer erreicht. Das Liegen – von schwimmen kann man nicht sprechen, da das nur in Rückenlage geht – muss man erlebt haben, es ist nur schwerlich zu beschreiben. Wasser, in dem man nicht untergehen kann. Augen- und Lippenkontakt mit dem Salzwasser führt zu schmerzhaftem aber nicht gefährlichem Brennen. Jede nicht verheilte Wunde meldet sich. Das Wasser des Toten Meeres besteht aus 27 % Mineralien, die industriell abgebaut werden.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen in einem der dortigen Hotels wurde die Festungsruine Massada mit der Seilbahn erklommen. Es erschloss sich ein wichtiges Stück Geschichte des Jüdischen Volkes im letztlich verlorenen Kampf gegen die Römer. Im Qumran konnten Erkenntnisse aus den Ausgrabungen über das Leben der Essener erlangt werden.

Zum dritten Teil der Reise wurde in Jerusalem Unterkunft genommen im St. Charles-Hospiz bei den Borromäerinnen im Bereich der Deutschen Kolonie am Südrand der Altstadt.

In den Hirtenfeldern oberhalb von Bethlehem feierte die Pilgergruppe eine Heilige Messe. Dies war eine Weihnachtsmesse im Oktober bei 28 Grad im Schatten.

Bethlehem liegt im palästinensischen Autonomiegebiet. Um die dauernden Übergriffe zu verhindern, hat Israel hier eine acht Meter hohe Grenzmauer errichtet. Der Übergang gleicht einem Grenzübertritt.

Bei der palästinensischen Polizei von Bethlehem wurde der Reisegruppe wiederum ein herzlicher Empfang bereitet. Polizeipräsident Abu Omer erzählte, dass es der dritte Besuch einer ausländischen Polizeigruppe sei. Zusammenarbeit mit Deutschland gebe es bei der Ausbildung von Kriminalpolizisten in Frankfurt. Seine Behörde teile sich auf in die Abteilungen Kriminal- und Verkehrspolizei sowie die Einsatzleitstelle. Bei der Bekämpfung von Straftaten ginge es hauptsächlich um Kfz-Diebstahl und Drogenkriminalität. In diesen Bereichen gebe es offizielle Kooperation mit der israelischen Polizei. Trotzdem sei die Verfolgung schwierig und spontane Ermittlungen hinter der Grenzmauer fast unmöglich. Nach einem Gruppenfoto stand der Besuch der Geburtskirche in Bethlehem an. Die Grotten und Höhlen konnten schon nach einer nicht einmal halbstündigen Wartezeit besucht werden.

Schon morgens fiel die erhöhte Polizeipräsenz innerhalb der Stadt auf. Am Nachmittag war dann der Platz vor der Geburtskirche abgesperrt. Der amtierende Ministerpräsident, Salam Fayyad, besuchte Bethlehem. Zusammen mit dem katholischen Bürgermeister von Bethlehem, Walid Victor Batarseh, begrüßte er die Gruppe.

Das Besuchsprogramm in Jerusalem begann mit den Chagall-Fenstern in der Synagoge in der Hadassah Universitätsklinik. Es folgte die eindrucksvolle Yed VaShem-Gedenkstätte zum Holocaust. Im Israel-Museum ist das im Maßstab von 1:50 aus Natursteinen erstellte Modell von Jerusalem zur Zeit um 70 n. Chr. zu bewundern. Im Schrein des Buches sind Originale der Schriftrollen von Qumran anzusehen.

Die wunderbare Akustik der St. Anna-Kirche gleich hinter dem Löwen-Tor im moslemischen Teil der Altstadt verlangte geradezu danach, hier Marienlieder anzustimmen. In den Ausgrabungen am angrenzenden Bethesda-Teich kann man erahnen, wie die Stadt in den Jahrtausenden mehrere Meter nach oben gewachsen ist und welche archäologischen Schätze sich noch unter der heutigen Bebauung verbergen könnten.

In der Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg im Süden vor der Altstadt gab Abt Benedikt Maria Lindemann, der aus Welschen-Ennest im Sauerland stammt, einen eindrucksvollen Überblick über die Situation der Christlichen Bevölkerung in Israel und Palästina, denen ein religiöses Leben immer schwerer gemacht wird. Die Furcht der Christen in Gasa und Westbank vor einem Staat islamischer Prägung ist so groß, dass ein Großteil die Auswanderung erwägt oder auch schon weggezogen ist. Selbst in Israel besteht Christen gegenüber keine gute Stimmung. Sie werden als Menschen 2. Klasse behandelt. Kinder brauchen bessere Noten als ihre Mitschüler, um z. B. studieren zu können.

Am vorletzten Tag stand noch ein nicht im Reiseprogramm aufgeführter Höhepunkt an. Msgr. Prof. Dr. Konrad Schmidt hatte einen Termin beim Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, der Vertretung des Vatikan im Heiligen Land. Im Rahmen einer Andacht wurde er zum Ehrenkanoniker vom Hl. Grab ernannt. Die Auszeichnung nahm der Patriarch von Jerusalem Erzbischof Fouad Twal vor.

Jeden Mittag von 13:30 -14:30 Uhr öffnet der Tempelberg mit dem Felsendom seine Pforten für Nicht-Moslems. Nach einstündigem Anstehens und ausgiebiger Sicherheitskontrolle – hier wird insbesondere auch auf die Bekleidung geachtet, Schultern und Knie müssen bedeckt sein- war es dann soweit. Die Eindrücke sind so vielfältig, dass eine Beschreibung hier den Platz sprengen würde. Leider ist das Betreten des Felsendoms schon seit Jahren verboten. Anhand der überall angebotenen Postkarten kann man sich ein Bild über die unbeschreibliche Schönheit dieses Bauwerks machen.

Über dem ehemaligen Steinbruch Golgatha steht die Grabeskirche, Heiligtum aller Christen und deshalb auch Ziel aller Jerusalempilger. Gleich hinter dem Eingang befindet sich der Salbungsstein, weiter dann das Grab Christi. Mehrere Stockwerke in der Tiefe gelangt man an den gewachsenen Fels des Steinbruchs, in dem der Spalt zu sehen ist, in dem das Kreuz gestanden haben soll. An die Kreuzabnahme und die Schmerzen Mariens wird an einem anderen Altar erinnert.

Im Gartencafe im Österreichischen Hospiz einige Meter oberhalb des geschäftigen Treibens in den Basaren herrscht eine himmlische Ruhe mit Blick über die Dächer Jerusalems. Hier konnte man schon mal Resümee ziehen über die mit Eindrücken und Erlebnissen vollgestopften vergangenen elf Tage, begonnen mit dem Nachtflug, den Erlebnissen am See Genezareth, der Wüste in Petra und Wadi Rum, Baden im Toten Meer, den Besuchen bei drei Länderpolizeien und dem Schmelztiegel der Religionen und Nationen Jerusalem.

Am Tag der Rückreise wurde der Ölberg mit seinen Kirchen besucht. Sie stellen den Weg Jesu dar in der Nacht von Gründonnerstag zum Karfreitag, beginnend mit der Pater-Noster-Kirche mit der Grotte, in der die Jünger belehrt wurden. Dominus flevit – der Herr weinte, ist der Name einer kleinen Kirche weit oben am Hang. Im Tal steht am Garten von Getsemani die Kirche der Nationen, 1924 von mehreren Staaten errichtet mit 12 Kuppeln, die an die Apostel erinnern.

Nach einem Imbiss an der Autobahn wurde der Ben Gurion Flughafen angefahren, von dem es nach den üblichen strengen Kontrollen – fast alle mussten ihre Koffer öffnen – in den kalten Norden zurückging. Wohlbehalten wurde Hardehausen erreicht.

Eine eindrucksvolle Studienreise und Pilgerfahrt liegt hinter uns. Israel und die Region sind immer eine Reise wert. Zu keiner Zeit gab es übrigens irgendwelche Sicherheitsbedenken oder -probleme. So hoffen die Teilnehmer auf vielleicht einen Besuch der heiligen Stätten auch in Zukunft und können eine solche Reise nur empfehlen.

Bernhard Bauer, Paderborn



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Polizei Aqaba.: Gruppenfoto vor der Dienststelle

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Polizei Bethlehem.: Gruppenfoto bei der Polizei in Bethlehem

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Nach der Hl. Messe in den Ausgrabungen der byzantinischen Kirche
am Hang oberhalb von Petra wurde dieses Gruppenfoto gemacht

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Polizeiseelsorge im Erzbistum Paderborn
Bundesseminar in Berlin
vom 23.07. – 27.07.2009



Wegen der Internationalen Funkausstellung begann das Bundesseminar schon an einem Sonntag. Dank der Unterstützung durch das Landesamt für Aus- und Fortbildung und Personal ( LAFP) konnte die Reise von Stukenbrock aus in einem Bus der Polizei des Landes NRW angetreten werden. Jürgen Otto vom PP Hamm, steuerte in sicherer und gekonnter Manier den Bus während der Bildungswoche.

Nach störungsfreier Fahrt erreichten wir am Sonntag, den 23.08.2009 Berlin und unser bekanntes Hotel. In Berlin summte es am Ankunftstage nur so, fand doch die Abschlussveranstaltung der Leichtathletik-Weltmeisterschaft statt und hatten die Bundesministerien zum Tag der „Offenen Tür“ eingeladen. Nach dem Einchecken und der Seminareinführung begaben sich daraufhin alle Teilnehmer in die Stadt. Nach der Fahrt mit der „Kanzler-U-Bahn“ und einem Spaziergang durch das Regierungsviertel, wurden nach Interesse die unterschiedlichsten Ministerien oder die FAN-Meile der Leichtathletik-WM am Brandenburger Tor und Unter den Linden besucht.

Am Montag besuchten wir das Jüdische Museum, in dem zwei Jahrtausende des jüdischen Lebens mit den Höhen und Tiefen in Deutschland gezeigt wird. In kompetenten Führungen wurden Architektur, politisches Leben, jüdische Geschichte und der Holocaust eindrucksvoll dargestellt. Mit seinem Entwurf hat der amerikanische Architekt Libeskind erreicht, das 1735 erbaute Kollegienhaus und spätere Kammergericht Preußens mit dem modernen Baustil des Museums zu vereinen. In seinem Entwurf spiegelt der Architekt in den Gebäudeelementen Verfolgung, Flucht vor den Nazis, den Tod in der Gaskammer und das Gedenken an die ermordeten Juden wider. Gleichzeitig wird das jüdische Leben von der Römerzeit bis heute gezeigt und auf erfolgreiche jüdische Unternehmer hingewiesen.

Am Nachmittag erhielten wir in Berlin-Treptow einen umfassenden Überblick über die Arbeit und Belastungen der Berliner Wasserschutzpolizei. Die Probleme und Sorgen der Kollegen sind durchaus mit hiesigen, mal abgesehen von den Besonderheiten verursacht durch die ehemalige Teilung, vergleichbar. Neuorganisation, Personalreduzierung und Aufgabenerweiterung sind die Belastungen neben den Anforderungen des täglichen Dienstes.

Schwierigkeiten bereitet zusätzlich die Topografie, die lange Anfahrten auch durch das angrenzende Land Brandenburg erforderlich machen.

Dienstags ging es dann zum Zentrum der Macht, dem Bundeskanzleramt. Wir konnten den Kabinettsaal und seine Nebenräume sowie verschiedene Arbeitsbereiche besichtigen. Der Kabinettstisch und seine Rangordnung wurde erklärt und auf eine umfangreiche Bibliothek und Archiv unmittelbar vor dem Kabinettsaal hingewiesen.

Daran schloss sich ein Besuch im Bundestag an, wo der ausscheidende Bundestagsabgeordnete Deittert des Wahlkreises Gütersloh zu den aktuellen Themen der Politik und Wirtschaft Stellung nahm.

Der Besuch bei der Behörde der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR am Mittwoch war ein weiterer Höhepunkt des diesjährigen Berlinseminars. Umfangreich wurde über die Aktenhaltung und die codierten Aktenzeichen, damit nicht jeder Sachbearbeiter Einblick in den Gesamtvorgang nehmen konnte, informiert.

Wenn auch mit der Wende die Staatsicherheit zahlreiche Akten vernichtete, so reichten die Ressourcen zum Zerreißen und Verbrennen nicht aus, um vollständig die Akten zu vernichten. Der weitaus größte Teil blieb als Akten oder als Papierschnitzel erhalten. Politisch strittig ist die Weiterführung der Behörde. Nach dem Stasi-Unterlagen-Gesetz (StUG) muss bis 2011 eine Regelung gefunden werden. Während einige prominente Politiker eine Weiterführung bevorzugen, sind andere für die Überführung in das Bundesarchiv.

Daneben wird auch der Zugang zu den Akten kritisch bewertet. Die bisherige Regelung erschwert insbesondere Forschern den Zugang, da nur individuell auf Antrag Opfern Einblick gewährt wird. Daher wird auch von einem Privileg der Opfer gesprochen.

An den Besuch der sogenannten Birthler-Behörde schloss sich ein Besuch in einem durch die Bauweise der DDR besonders geprägten Stadtteil –Kiez- an. In Berlin-Lichtenberg erhielten wir Einblick in die offene Jugend- und Sozialarbeit der Caritas. Das Haus ist einziger Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche in einem Stadtteil mit 140.000 Einwohnern und einer Arbeitslosenquote von über 30%. In einer angeregten Diskussion wurden Schwierigkeiten der Hausleitung, aber auch der Kinder und Jugendlichen deutlich gemacht.

Anschließend feierten wir in der nahe gelegenen Kirche der Katholischen Gemeinde Sankt Mauritius einen Gottesdienst.

Nach einer informationsreichen Zeit mit gutem Wetter ging es am Donnerstag wieder heimwärts. Bei einem Spaziergang durch Potsdam und das holländische Viertel lernten und erlebten wir etwas über die Geschichte Preußens. Nach einer störungsfreien Reise erreichten wir am späten Nachmittag wieder unseren Ausgangsort Stukenbrock. Alle Teilnehmer waren von diesem Berlinseminar angetan und kehrten mit vielen Eindrücken zur jüngeren Geschichte der BRD zurück. Für die gute Organisation und Durchführung dieses Bundesseminares sei an dieser Stelle nochmals Polizeidekan Msgr. Bender und der Sekretärin der Polizeiseelsorge Frau de Kegel gedankt. Zum Schluss nochmals einen herzlichen Dank an Jürgen Otto, der uns gut und sicher nach Berlin und zurück brachte.

Friedel Voß



Polizeiseelsorgeseminar Schwerte April 2009


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Polizeiseelsorgeseminar Elkeringhausen Januar 2009


Motivierender Start ins Jahr 2009 !


Zum Jahresbeginn trafen sich unter idealen Wetterbedingungen –strahlende Sonne, reichlich Schnee und handfeste Minusgrade- in der Katholischen Bildungsstätte Elkeringhausen 27 aktive und ehemalige Polizeibeamte zum aktuellen Leitthema 2009:

„Jugendgewalt und Jugendkriminalität - Fragen und Antworten zu einer
Herausforderung für Polizei, Kirche und Gesellschaft“



Wie sich im Lauf der Woche herausstellte, hatte Polizeipfarrer, Monsignore Wolfgang Bender wieder eine glückliche Hand bei der Auswahl des Themas und der Referenten.

Die Basis legte PD Thomas Kubera mit Daten und Fakten unter der Überschrift

„Entwicklung der Gewalt junger Menschen – Lagebild und polizeiliche Reaktion“. Der Vortrag bot Hintergrund und Maßstab für den gesamten Wochenverlauf und versetzte die Seminarteilnehmer in die Lage, die Dimension von Jugendgewalt realistisch einzuschätzen und mit den eigenen Erfahrungen abzugleichen.

Eine andere Welt, nämlich verhaltensorientierte Einflussnahme auf Jugendliche, demonstrierte der Kollege Carl Wilhelm Borgstedt, Leiter des Kommissartiates Vorbeugung der KPB Gütersloh unter dem Titel: „Möglichkeiten der Prävention im Hinblick auch auf jugendliche Gewalt – ein Impulstraining“. Die Seminarrunde konnte seine Vorgehensweise anschaulich durch „eigenes Erleben“ nachvollziehen und Ausgangspunkte für Gewaltauslöser im menschlichen Umgang erkennen.

In bewährter Art übernahm Johannes Schwarzkopf an zwei Tagen die Vortragsaufgabe mit seinem Part: „Jugendgewalt – Erklärungsversuche und Ansätze einer pädagogisch –ethischen Erziehung“. Aus seinem nahezu unerschöpflichen Erfahrungsschatz präsentierte das „Referentenurgestein“ ein Spektrum zum Gewaltthema – spontan erfüllte er den Wunsch der Gruppe nach speziellen theologischen Hintergründen und Lösungen.

Überaus spannend waren die Erkenntnisse aus der sogen. „Sinus-Analyse“, die die beiden Referenten des Generalvikariates, Thomas Altemeier und Klemens Reith mit den Teilnehmern bearbeiteten. Der Themenbereich erschloss zukunftsträchtige Lösungen und Arbeitsmodelle mit Jugendlichen, die schon mit gutem Erfolg in der Praxis Anwendung finden. Bis zu sieben Milieubereiche von Jugendlichen wurden vorgestellt und ihre Interessenlagen bzw. Einstellungen verdeutlicht. Die häufigste Frage am Ende: „Wo ist die Zeit geblieben ?“ Gern wurde das Angebot, weitere Informationen zugesandt zu bekommen, von vielen Kollegen entgegen genommen.

Nach einer Fahrt durch eine „sauerländische Bilderbuchlandschaft“ erreichte die Seminargruppe donnerstags die Stadt Brilon, wo ein gigantischer Betrieb der Holzverarbeitung des EGGER-Konzerns besichtigt wurde. Unter fachlich kompetenter und sehr sympathischer Führung der Marketing Mitarbeiterin blickten die Polizeibeamten über ihren „dienstlichen Tellerrand“ und stellten zum Teil fest, dass man doch den richtigen Beruf ergriffen habe.

Nachmittags stand ein Besuch des örtlichen Gemeindezentrums und der Kirche St. Petrus und Andreas auf dem Programm. Der Pfarrer, Stefan Bigger führte seine Gäste mit Stolz durch die neuen Räumlichkeiten und auf den Turm der aus dem 11. Jahrhundert stammenden Kirche. Angesichts des historischen Gewölbes, der Fresken und des Glockenstuhls blitzten viele Kameras, die in der Industrieanlage nicht bedient werden durften.

Ein sehr positives Resümee zogen alle Beteiligten beim offiziellen Seminarende am Freitag.

Traurig stimmte die Tatsache, dass der langjährige Seminarteilnehmer Meik Scharmann nicht mehr dabei war – er war im Frühjahr 2008 im Alter von 33 Jahren plötzlich verstorben. Dennoch war er präsent – ein Portrait, dankenswerter Weise von Manfred Köhne besorgt – stand immer im Mittelpunkt, sowohl beim Gedenkgottesdienst, als auch im Plenum.

Hoffnung – war das Element, welches Wolfgang Bender abschließend besonders betonte. Mit diesem Gefühl – die grünen Bereiche der eigenen Akkus spürbar vergrößert zu haben - verabschiedeten sich alle Teilnehmer für die nächsten 12 Monate und freuen sich auf das Fortbildungsseminar 2010 !


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