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Bildergalerien / Berichte 2015





Motorradfahrerseminar mit staatsbürgerlichen-, sozial- und berufsethischen Inhalten
27. April - 01. Mai in Wernigerode

Auseinandersetzung mit deutscher und europäischer Geschichte und Gegenwart am Beispiel des Harzes




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Unterkunft und Seminarräume


Auch in diesem Jahr konnte der "Verdacht" nicht erhärtet werden, dieses Seminar wäre keins, sondern ein Polizei-Biker-Treffen.
Wolfgang Benders Konzept zur Vermittlung berufsethischer Inhalte geht hier seit vielen Jahren voll auf. Es geht ihm darum die eher "durchschnittlich" beliebte Berufsethik von der Schulbank ins Leben zu verlagern.


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Der Polizeiberuf sorgt mitten im Leben unserer Gesellschaft für Ordnung, Schutz und Sicherheit. Dies erfordert Professionalität und soziale Kompetenz. Polizei ist immer dann gefordert, wenn Grenzen für Ordnung und Sicherheit gefährdet und überschritten werden.

Unser Seminar findet im Harz statt, einem Grenzland zwischen ehemals DDR und BRD. Mit den Motorrädern "erfahren" wir buchstäblich diese Grenze. Aus gutem Grund werden deshalb die einzelnen Touren von Andreas Ottilige vorbereitet.
Er ist ein sehr erfahrener Polizeibeamter, der hier lange seinen Dienst geleistet hat, als die Grenze noch Grenze war. Was er aus "polizeilicher" Perspektive an den "Seminar-Einsatzorten" vermittelt ist nicht nur wertvoller "Lernstoff", sondern vor allem authentisch.
Für die "berufsethische" Perspektive bin ich als Polizeiseelsorger zuständig. Über meine Beiträge zu unseren Themen hinaus, bin auch ich als West-Berliner "authentisch", denn die Grenze war mehr als 25 Jahre Teil meines Lebens, bis mich dann das Theologiestudium in den "Westen" beorderte.

Wenn wir unsere Stationen, wie Quedlinburg, das Grenzlandmuseum bei Duderstadt oder das Kyffhäuserdenkmal anfahren, erleben wir deutsche Geschichte "zum anfassen". Die, die hier anfassen sind Polizisten. Der Beruf ist sofort Thema und die Intention aus der Geschichte für die Gegenwart zu lernen, zündet wie von selbst.

Auf der Fahrt zur nächsten Station ist jeder für sich und hat Zeit zum Nachdenken. Das nicht nur die Landschaft "genossen" wird, zeigt sich an meinem "Arbeitsaufwand" danach. In kleinen und größeren Gruppen wird diskutiert was Impulse und Informationen an Fragen aufwerfen.
Dies ist Teil des methodischen Konzepts des Seminars und hat sich für das Erreichen der Lernziele bestens bewährt.

Diese Methode hat noch einen anderen großen Vorteil. Die virtuelle "Grenze" zwischen Beruf und Privatleben kommt in den Blick. Viele Gespräche haben auch persönliches und privates zum Inhalt. Das ist so gewollt, denn es ist ja ein Seminar der Polizeiseelsorge.

Klaus Krüger
Seminarleiter
Polizeiseelsorger der KPB Paderborn


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PS:
Wenn sich ein Verdacht einfach nicht erhärten lässt, sondern sich sogar als unbegründet darstellt, dann sollte man ihn irgendwann mal einfach fallen lassen.
Das Innenministerium hat dies schon lange getan und dieses Seminar ohne irgendwelche Vorbehalte als Fortbildung zugelassen.
Den Kreispolizeibehörden, die hier die Arbeit der Polizeiseelsorge unterstützen, sind wir sehr dankbar, denn wir sind davon überzeugt im Sinne der Fortbildung gute Arbeit zu leisten.
Andere KPB's ermutige ich ihren "Verdacht" weiter zu ermitteln und zu prüfen, ob sich das Innenministerium irrt.






Europa-Seminar vom 25.10.2015 – 30.10.2015 in der Schweiz


Sonntag 25.10.2015

Am Sonntagmorgen starteten wir mit einem geleasten Reisebus in der Unterkunft der Polizei Schloss Holte-Stukenbrock. Ohne besondere Schwierigkeiten, aber bei hohem Verkehrsaufkommen in Süddeutschland (,) erreichten wir abends unsere Unterkunft in Waldshut-Tiengen.
Auf dem Wege zum Ziel besuchten wir den Wallfahrtsort Rottenburg bei Stuttgart, der bis zur Säkularisierung nach dem Wiener Kongress Bischofsstadt war. Während einer Einführung in die Architektur und kirchliche Geschichte stellte der Stadtführer die Entwicklung der Stadt vor, die aber erst im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts auf Grund der Gepflogenheiten der Gläubigen zum Wallfahrtsort bestimmt wurde.



Montag 26.10.2015

Heute ging es dann ab in die Schweiz. Um 10.00 Uhr empfing uns vor dem Dienstgebäude der Kantonspolizei Luzern der dortige Polizeiseelsorger Herr Thomas Lang.
Neben statischem Material über den Zuständigkeitsbereich wurden Organisation und örtliche Zuständigkeit der Stadt- und Kantonspolizei dargestellt. Besonders hervorgehoben die Notrufannahme, die Steuerung der Einsatzmittel und die Verkehrslenkung einschließlich Tunnelsteuerung. Dabei fiel auf, dass in der Einsatzleitstelle bei eingehenden Anrufen aller Art sofort die Teilnehmerdaten des Anrufers eingeblendet werden. Erheblich abweichend vom deutschen Recht ist auch die Dauer der Datenspeicherung sowohl für personenbezogene, als auch Falldaten und das gesprochene Wort, die nach Bewertung durch die Dienststelle bis zu 5 Jahren betragen kann.

Nach der Theorie ging es im Polizeimuseum in die Praxis. Hier war an Exponaten die erfolgreiche Arbeit der Kantonspolizei dargestellt. Dabei wurden an einem illegalen Rennen mit 2 Todesopfern die Wege der schweizerischen Justiz erläutert.

Von Luzern wurde mit einem Boot der Ort Brunnen aufgesucht, in dem Swiss Knife Valley zu Hause ist. Dabei handelt es sich um das Museum des Messerherstellers Victorionx, Produzent des Schweizer Armeemessers. Bei einem Rundgang wurden die Produktionsmethoden und Geschichte des Unternehmens dargestellt.



Dienstag 27.10.2105

Am Vormittag besichtigten wir die Luzerner Hofkirche, wobei auch kurz die Stadtgeschichte von Luzern gestreift wurde, da Kirche und Stadtentwicklung mit einander verzahnt sind. Besonders auffallend war die Illustration der Kammer des Kirchenschatzes, die von dem selben Künstler gestaltet wurde wie die Empfangshalle des Polizeidienstgebäudes in Zürich.
Anschließend besuchten wir die interkantonale Polizeischule Hitzkirch. Wie der Name schon sagt wird sie von mehreren Kantonen gemeinsam betrieben. Neben Ausbildungsinhalten wurde auch das Laufbahnrecht erläutert. Dabei fiel auf, dass die Polizeischüler ohne Einstellungsvertrag von ihrem Kanton entsandt werden. Die 12monatige Ausbildung schließt mit einer Staatsprüfung als Polizistin/Polizist ab, wonach die Absolventen sich in einem beliebigen Kanton oder dem eigenen bewerben können.

Nach der theoretischen Einweisung konnten dann die modern wirkenden Ausbildungsstätten besichtigt werden, wozu auch ein Übungsdorf mit allen Einrichtungen wie Einzel- oder Mehrfamilienhaus, Bankgebäude, Straßen usw. zählt.



Mittwoch 28.10.2015

Nach Luzern stand heute die Polizei in Zürich auf unserem Programm. Der Besuch startete sofort mit einem Highlight. Denn das Dienstgebäude in Zürich verfügt über die schönste und auch bekannteste Eingangshalle aller Polizeidienststellen in der Schweiz, wenn nicht sogar in Europa.
In einem 2stündigen Vortrag vermittelte dann der Referent in kompetenter und verständlicher Weise die in Zürich geübte Praxis des "Predictive Policing" bei Wohnungseinbrüchen. Dabei ließ er nicht unerwähnt, dass ähnliche Bestrebungen in NRW bestehen und schon in Einzelfällen angewendet werden. Wesentlicher Bestandteil dieses Modells ist die forensische Erkenntnis über Täterverhalten und der Erkenntnis, dass in einem definierten Zeitraum der Täter in der gleichen Gegend noch einmal tätig wird.
In dem erst seit 2 Jahren laufenden Projekt ist es nach bisherigen Erkenntnissen gelungen, die Fallzahlen in den besonders belasteten Bezirken der Stadt Zürich zu senken.
Die Polizei Zürich denkt daran das Projekt für weitere Bezirke und Delikte auszuweiten. Dabei stützt man sich auf positive Erfahrungen unter anderem in den USA.

Im Anschluss stand noch ein Besuch bei der Seepolizei an, die sich ausdrücklich nicht Wasserschutzpolizei nennt. Denn neben dieser Polizeitruppe, die für den Zürichsee zuständig ist, hat die Stadt Zürich noch eine eigene Wasserschutzpolizei.
Neben den ordnungsrechtlichen und strafverfolgenden Maßnahmen zu Wasser und zu Land ist die Seepolizei auch für die Wetterwarnungen der Schifffahrt zuständig.
Die Mitglieder dieser Truppe sind Allrounder. Sie werden als Taucher, Bootsführer, LKW-Fahrer und Mountain-Biker ausgebildet. Zusätzlich müssen sie handwerklich befähigt sein und die verschiedensten Handwerke beherrschen.
Ihr Einsatzfahrzeug ist als LKW eine rollende Werkstatt und für alle erdenklichen Fälle ausgestattet, so dass sie auch zu verschiedenen Aufgaben außerhalb des Sees herangezogen werden. Besonders stolz waren sie auf die Tatsache, dass sie mit diesem Fahrzeug auch das Land Baden-Württemberg bei der Suche nach einem verschollenen Streifenwagen im Oberrhein unterstützten.



Donnerstag 29.10.2015

Am vorletzten Tag stand noch der Besuch in der für die deutsche Geschichte nicht unbekannten Stadt Konstanz an. In einer frischen und unterhaltsamen Art wurde den Teilnehmern Konstanz mit seiner geschichtlichen Bedeutung als Stadt des Konzils von 1414 - 1418 und dessen Auswirkungen für Stadt und Bevölkerung erklärt. Aber auch die Organisation einer mittelalterlichen Stadt, die ohne Kanalsystem und Hausnummern auskommen musste, wurde anschaulich dargestellt. Dabei ersetzten Bilder an den Hauswänden die Hausnummern und sehr enge Gassen, die unter dem Niveau der Straße lagen, die Kanalisation. Hauptstrassen wurden in Kurven angelegt, um das Schussfeld für Eindringlinge zu verkleinern und den Verteidigern die Möglichkeit eines Hinterhalts zu geben.



Freitag, den 30.10.2015

Von Waldshut-Tiengen fuhren wir auf unserer Heimreise durch den Hochschwarzwald zu der Fa. Heckler und Koch in Oberndorf am Neckar. Dort wurde in einem 2stündigen Rundgang ein tiefer Einblick in die Waffenproduktion gewährt. In dem angeschlossenen Museum sind neben den in der Vergangenheit hergestellten Waffen auch nicht zur Produktionsreife entwickelte Waffen sowie persönlich auf Wunsch der Käufer hergestellte Waffen ausgestellt.

Nach dem Besichtigungsprogramm ging es bei erheblichem Verkehrsaufkommen zurück nach Stukenbrock. Das Europaseminar wurde von allen Teilnehmer wegen seiner Themenfülle und der vermittelten Informationen als besonders gelungen angesehen. Interessant war es in einem nicht zur EU zählenden Land sich aufhalten zu können, das über 5 offizielle Sprachen verfügt und das bei seiner Größe in 26 Kantone mit sehr unterschiedlicher Bevölkerungsdichte und Größe unterteilt ist.
Von allen Referenten wurde die Eigenständigkeit der Kantone betont, wodurch vor Ort immer unterschiedliche Regelungen sowohl für die Polizeiarbeit als auch die Laufbahn bestehen.

An dieser Stelle sei besonders unserem Busfahrer gedankt, der unter schwierigsten Bedingungen sein Können unter Beweis stellte und die Reise zu einem friedlichen Abschluss brachte.


Friedrich Voss

Arnsberg



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