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Veranstaltungen und Beriche




Diözesankonferenz der Polizeiseelsorge im Erzbistum Paderborn
24. November 2016



Konferenz der Polizeiseelsorger zu Amoklagen und Terroranschlägen



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Polizeirat und Dezernatsleiter Markus Altenhöner (vorn, Mitte) und sein Stellvertreter,Polizeikommissar Martin Stroop, (vorn, rechts) trafen sich mit den Konferenzteilnehmern zu einem kurzen Gedankenaustausch.
Terroranschläge mit zahlreichen Opfern, Amokläufe aus heiterem Himmel: Die Sicherheitsbehörden müssen sich aktuell mit Szenarien auseinandersetzen, die vor Kurzem noch als eher „unwahrscheinlich“ galten. Die Anschläge in Paris vor gut einem Jahr und in München im Sommer haben gezeigt, dass es solche Situationen längst vom „Planspiel“ in die Realität geschafft haben. Die Frage, was das für den einzelnen Polizeibeamten bedeutet, stand im Mittelpunkt der diesjährigen Diözesankonferenz der Polizeiseelsorger im Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei Nordrhein-Westfalen in Schloß Holte-Stukenbrock.

„Jeder Streifenbeamte kann heute völlig unvermittelt mit einer Lage konfrontiert werden, die ihn physisch und psychisch an seine Grenzen bringt", beschrieb Polizeidekan Monsignore Wolfgang Bender zu Beginn des Treffens das Thema der Konferenz: Angriffe mit Kriegswaffen, menschliche Schutzschilde oder Kinder als Täter seien nur einige Beispiele für derartige Situationen und Eskalationsstufen, die für die Polizei neu seien. Bender: „Während früher das Eintreffen eines Sondereinsatzkommandos abgewartet werden konnte, müssen jetzt die als erste eintreffenden Beamten sofort handeln." Das bedeute, den oder die Täter zu bekämpfen und sich in unmittelbare Lebensgefahr zu begeben. „Nichtstun ist keine Option, fasste Bender die Lage für die Beamten zusammen und beschrieb damit gleichzeitig auch eine neue Aufgabenstellung für die Polizeiseelsorge: „Solche Szenarien werfen viele Fragen auf, auf die wir bei der Begleitung der Polizeibeamten reagieren müssen."

Ein Aspekt, den Polizeipfarrer Johannes Gospos aus dem Bistum Münster in seinem Referat zum Thema aufgriff: „Bilder von verstümmelten Opfern nach Anschlägen wie in Paris brennen sich tief in die Psyche ein und traumatisieren unter Umständen auch Beamte, die einiges gewohnt sind." Selbstmordanschläge etwa konfrontierten Einsatzkräfte mit einem Täterprofil, das von herkömmlichen Strategien schlicht und einfach nicht erfasst werde: Mit einem Menschen, der mit dem Leben abgeschlossen habe, gebe es auch keine Basis für Verhandlungen mehr. Gospos: „Ihre Taten und Motive überfordern unsere Vorstellungskraft." Für einen Seelsorger sei die Begleitung in solchen Fällen eine wirkliche Herausforderung: „Derartige Erlebnisse können eine regelrechte Lebenswende darstellen." Entsprechend wichtig sei es, ansprechbar zu sein, Zeit zu haben und Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen. Johannes Gospos: „Unsere Rolle ist da eindeutig; das Wohl des einzelnen Polizisten steht ganz klar im Mittelpunkt, alles andere ist zweitrangig.“ Die Beamten wüssten das zu schätzen – nicht zuletzt dank der Schweigepflicht der Seelsorger.

Unabhängig von solchen Extremsituationen, machte Gospos deutlich, sei der „Routinedienst" für Polizisten heute schon hart genug: „Die Beamten machen einiges mit!" Der Punkt, dass Beamtinnen und Beamte großen Belastungen ausgesetzt sind – von Überstunden bis zu Behinderungen und Beleidigungen im Dienst –, spielte auch beim Erfahrungsaustausch der Seelsorger aus dem Erzbistum eine Rolle.


Text und Foto: Andreas Wiedenhaus




Diözesankonferenz der Polizeiseelsorge im Erzbistum Paderborn
25. November 2015


Herzliche Einladung zu unserm Jahrestreffen oder zur Diözesankonferenz der Polizeiseelsorge
am Mittwoch, dem 25. November 2015


Anreise bis 10.00 Uhr

Ort: Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei NRW (LAFP) - Aus- und Fortbildungszentrum „Erich Klausener“ in 33758 Schloß Holte - Stukenbrock, Lippstädter Weg 26 a

Treffpunkt 10.00 Uhr: Pforte am Eingang der Polizeiliegenschaft, danach Tagungsraum an der Pforte erfragen. Ich hole Euch um kurz vor zehn Uhr am Schlagbaum ab.

Unsere Tagung wird bis zum späten Nachmittag gehen.

Voraussichtliches Programm der Konferenz:



Nach der Begrüßung:
Konferenzteil mit folgenden Themen:

In Dankbarkeit und Verbundenheit wünsche ich Euch alles Gute bis zum Treffen


Euer Wolfgang Bender,
Diözesanbeauftragter Polizei-, Feuerwehr-, Rettungsdienst- und Notfallseelsorge




Gedenkveranstaltung Dr. Erich Klausener in Berlin Hoppegarten
2009


Am 24.06.2009 nahm eine 11-köpfige Delegation des LAFP NRW, Bildungszentrum „Erich Klausener“, Schloß Holte-Stukenbrock, an einer eindrucksvollen Gedenkfeier für Dr. Klausener in Berlin-Hoppegarten teil.


In Anwesenheit des Bischofs von Berlin, Kardinal Georg Sterzinsky und dem apostolischen Nuntius, Erzbischof Jean-Claude Perisset und mehr als 700 Teilnehmern fand die Gedenkfeier in Form eines Pontifikalamtes genau an der Stelle statt, an der Dr. Klausener vor 75 Jahren im Rahmen des 32. Märkischen Katholikentages in einer spontanen Abschlussrede vor 60.000 Zuhörern Machenschaften des Nationalsozialismus anprangerte und ein deutliches Bekenntnis für Glauben, Freiheit und Gerechtigkeit abgab.

Diese Rede, seine Funktion als Vorsitzender der katholischen Aktion und die Tatsache, dass er schon vor 1933 als Ministerialdirektor im Preußischen Innenministerium energisch den Kampf der Polizei gegen Ausschreitungen der Nationalsozialisten verantwortete, führten dazu, dass er 6 Tage nach der Rede, am 30.06.1934, von einem SS-Kommando in seinem Büro erschossen wurde.

Die Gedenkfeier für Dr. Klausener begann zuvor mit einem Festakt im Rathaus Hoppegarten. Hier hatte Polizeidekan Msgr. Wolfgang Bender die Gelegenheit, in einem Grußwort die Delegation aus NRW vorzustellen und zu Dr. Erich Klausener aus „Stukenbrocker Sicht“ deutliche Worte zu finden.

So führte er aus, dass Klausener bereits seit 1952 als Namensgeber eng mit der damaligen LPS „Erich Klausener“ in Düsseldorf und dem jetzigen Bildungszentrum „E.K.“ in Schloß Holte-Stukenbrock verbunden ist. Das Bildungszentrum „E.K.“ des LAFP NRW könne stolz sein, als zurzeit einzige Polizeiinstitution diesen Namenszusatz zu tragen, da Klausener Werte wie Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit, Mut zur Übernahme von Verantwortlichkeit und Achtung der Würde aller Menschen verkörpert habe.


Unabhängig von konfessioneller Zugehörigkeit sei Klausener ein aufrichtiger Kämpfer für christlichen Glauben, Menschenwürde und Recht gewesen, der bewusst das Risiko einging, dass ein notwendiges Wort zur richtigen Zeit gesprochen, die Einschränkung eigener Selbstverwirklichung, der Freiheit und letztlich, wie in seinem Fall, zum Verlust des eigenen Lebens führen kann.

Der Vorplatz der Rennbahn Hoppegarten trägt nun den Namen Erich-Klausener-Platz.

Vor der Hauptribüne enthüllte seine Nichte, Frau Fritzen-Klausener, eine Bronze-Büste Klauseners, an der die KA’nnen Sina Pufahl und Ina Vennemann vom Dezernat 44 zum ehrenvollen Gedenken einen Kranz niederlegten.

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Polizeiseelsorge auf dem Katholikentag 2008 in Osnabrück

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Zu dem Foto: links KK Dierk Potthoff (KPB Gütersloh), Weihbischof Matthias König (Paderborn), Polizeipfarrer Msgr. Wolfgang Bender (LAFP Stukenbrock) und Msgr. Thomas Dornseifer (stellv. Generalvikar Paderborn.)

Polizeipfarrer informiert mit Polizisten und anderen Polizeiseelsorgern am Stand der Polizeiseelsorge über den Kirchlichen Dienst an der Polizei.


Polizeiseelsorge bei der EM 2008 in Klagenfurt / Österreich


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„Passt schon“ – als Polizeiseelsorger bei der EM in Klagenfurt“

Die wohl am meisten gesprochenen Worte beim Einsatz der ca. 500 nordrhein-westfälischen Polizeibeamtinnen und –beamten in Österreich während der Fußball-Europameisterschaft waren „passt schon“, das von österreichischen Polizeikollegen und -innen unentwegt benutzt wurde

und das wohl zum Ausdruck bringt: „ist in Ordnung“, „geht schon gut“ oder „nur die Ruhe bewahren“.

Das Wetter passte zwar nicht immer – ein Tief hatte sich über den Alpen festgesetzt und öffnete seine Schleusen immer wieder. Auch hatten sich die Wirte und Geschäftsleute in der Innenstadt Klagenfurts mehr Gäste und damit mehr Umsatz erhofft, ebenso beim sogenannten „public viewing“ am Wörthersee oder auf dem Messegelände, der Stimmung unter den Fans tat aber das keinen Abbruch. Sie war angenehm bis begeistert. Insbesondere waren die österreichischen Bürger froh und dankbar für die Arbeit der deutschen Polizei, die ihnen freundlich begegnete und mit den Fans aus Kroatien, Polen und Deutschland professionell und kompetent umgingen und ihnen – wenn nötig – ihre Grenzen aufzeigten. Der österreichische Staat hatte Kontaktbeamte, SKb´s und die Bereitschaftspolizeihundertschaften aus Bochum, Bonn, Essen, Köln und Mönchengladbach unter der Wuppertaler Abteilungs- und Einsatzführung von PD Kemper und PR Wiegand zur Unterstützung der Spiele nach Klagenfurt und Innsbruck gerufen.

Die drei Fußballspiele in Klagenfurt gingen trotz der Niederlage Deutschlands gegen Kroatien dank starker Polizeipräsenz ohne große Sicherheitsprobleme über die Bühne. Das galt auch für die anderen Spielorte. Beim Spiel Polen Deutschland gab es einige hundert Festnahmen; durch einen beherzten Eingriff von NRW-Kräften konnten vor und während des Spiels im Bereich der Innenstadt vor der Bildwand randalierende Fans nach österreichischem Recht ins Gewahrsam genommen werden. Die Gefangenensammelstelle funktionierte mit österreichischen Polizistinnen und Polizisten sowie nordrhein-westfälischer Vorbereitung und Logistik unter der bewährten Führung durch PD Kubera und seinen Mitarbeitern. Immer wieder hörte man die deutschen Kollegen/innen sagen: „Es ist wie der normale Liga-Alltag bei uns zuhause.“

Ebenso „passte“ die gute Zusammenarbeit der österreichischen und deutschen Kollegen/innen. Eine anfängliche Skepsis gegenüber deutscher Polizeiarbeit wich offener Wertschätzung bis Zustimmung durch die österreichischen Kollegen/innen. Notwendige Ansprachen und Festnahmen wurden gemeinsam durchgeführt und österreichisches Recht befolgt. Sicherlich ein bisher einmaliger Vorgang und „Auslandseinsatz“ in dieser Größenordnung.

Die durch das regnerische Wetter etwas getrübte Stimmung wurde aufgeheitert durch die hervorragende Unterkunft und Verpflegung am Faaker und Ossiacher See.

Eröffnet wurde die EM oder wie sie in Österreich hieß, die Euro, in Klagenfurt durch einen ökumenischen Gottesdienst für alle am Einsatz beteiligten „Exekutivkräfte“, also Feuerwehr, Polizei, Notärzte, Bundesheer, Rettungsdienst, Polizei- und Notfallseelsorge, unter der Leitung des Kärntner Bischofs und des Superintendenten. Es nahmen auch einige NRW-Polizisten und -polizistinnen teil. In diesem Gottesdienst wurde für einen friedlichen Verlauf und die Sicherheit aller beteiligten Sicherheitskräfte und Besucher gebetet.

Alle Kräfte waren heilfroh, dass dieser Gebetswunsch in Erfüllung ging und – anders als in Heiligendamm vor einem Jahr - nur kleine Verletzungen und Krankheiten auftraten.

Am 8. Juni, Innenminister Wolf besuchte uns an diesem Tag in Klagenfurt, gedachten wir deshalb während des Einsatzes des genau vor einem Jahr bei dem tödlichen Unfall verunglückten Kollegen Benjamin Brekau von der BPH Dortmund. Seine Familie soll wissen, dass wir ihn nicht vergessen.


Die Begleitung der NRW-Polizistinnen und -polizisten durch die Polizeiseelsorge geschah nicht zum ersten Mal: bereits seit Jahren sind Polizeiseelsorger bei „geschlossenen Einsätzen“ im Wendland, in der Bundeshauptstadt, in Heiligendamm oder bei der Fußball-WM 2006 dabei. Ihre Begleitung in Österreich war Teil des Betreuungskonzepts durch die Polizeiführung und der LZPD. So waren abwechselnd als Polizeiseelsorger/innen Wolfgang Bender, Claudia Kiehn, Michael Clauß, Hans-Dieter Hein und Marcus Freitag an der Seite der Kollegen/innen. Nachdem sie Ihre Erreichbarkeit der Abteilungsführung mitgeteilt hatten, stellten sie sich den anwesenden Hundertschaften bei den Begrüßungsveranstaltungen der österreichischen Polizei oder in den Hotels in Seeleiten und Schönleiten vor. Da die Polizeiseelsorger ihre Unterkunft bei den Kollegen/innen in den Hotels hatten, ergaben sich viele Begegnungen und Gespräche zu den Mahlzeiten und in der Freizeit. Während der Dienstzeiten gingen die Seelsorger/in in der Klagenfurter Innenstadt von Einsatzfahrzeug zu Einsatzfahrzeug und stellten sich vor. Häufig kannte man sich aus früheren Einsätzen oder durch Aus- und Fortbildung. Für die österreichischen Beamten/innen waren die Seelsorger in gewisser Weise Exoten, da die Polizeiseelsorge sich in unserem Nachbarland noch im Aufbau befindet. Der Dienst der Kirche an und in der Polizei kam auch bei den österreichischen Polizisten gut an. Nicht zuletzt auch wegen der vermittelnden Gespräche der Seelsorger mit den Bürgern und deeskalierender Kommunikation mit aufgebrachten Fans. Doch das nur nebenbei. Hauptsache waren die vielfältigen Gespräche mit einigen durch private oder dienstliche Probleme belasteten Polizistinnen und Polizisten am Rande des Einsatzes. Für den einen war es nicht einfach, für den Einsatzzeitraum von der Familie getrennt zu sein. Andere hatten Probleme zuhause, z.B. Trauer über den Tod eines Familienmitglieds, beschäftigten sich mit ungeklärten Fragen zur Berufssituation oder auch mit existentiellen und religiösen Fragestellungen. Viele Lebensfragen kamen in den Ruhepausen ins Gespräch. Oder es war ganz einfach die Freude über den gelungenen Einsatz, der im Gespräch zum Ausdruck gebracht wurde. Immer wieder wurde gesagt: „Auch wenn nichts Schlimmes passiert – es ist gut, dass ihr für uns da seid“.

Übrigens gab es auch erstmalig ein Betreuungs- und Gesprächsangebot der österreichischen Polizei während der EM unter dem Namen „peer support“ für ihre Beamten. Die Mitarbeiter/innen boten ihre Unterstützung drei Stunden am Tag an. Die Polizeiseelsorge war rund um die Uhr erreichbar. Sicherlich von Vorteil für die Kolleginnen und Kollegen.

Alles in allem: die EM in Klagenfurt war für alle Beteiligten ein guter Einsatz ohne schlimme Ereignisse – Gott sei Dank!


Polizeidekan Msgr. Wolfgang Bender

LAFP „Erich Klausener“ Stukenbrock, NRW


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Polizeiseelsorge Paderborn beim Tag der offenen Tür in Gütersloh am 24.08.2008


Impressionen der KPB GT





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Begegnungstag "Kirche und Polizei“
2008


archiv Weihbischof Manfred Melzer aus Köln (Bischof für die Polizeiseelsorge), Monsignore Thomas Dornseifer (Leiter der Hauptabteilung Pastorale Dienste), Hans Schulze (Polizeipräsident von Dortmund), Dr. Michael Arnemann (Polizeiseelsorger aus Münster), Ursula Steinhauer (Polizeipräsidentin von Hagen), Monsignore Wolfgang Bender (Polizeipfarrer des Erzbistums Paderborn), Wilfried Bergmann (Polizeidirektor von Siegen) thematisierten beim „Begegnungstag Kirche und Polizei“ die Präsenz der Kirche in der Polizei.

Paderborn, 4. September 2008

. Auf Einladung der Polizeiseelsorge im Erzbistum Paderborn fand zum ersten Mal ein „Begegnungstag Kirche und Polizei“ statt. Polizeiseelsorger, Polizeipräsidenten, Polizeibeamte des Höheren Dienstes und Landräte aus dem Raum von Siegen bis Minden und Bochum bis Höxter tauschten sich zum Thema „Was will die Kirche in der Polizei?“ aus. Dabei wurde die Arbeit der Polizeiseelsorge mit ihrem personellen Angebot der Begleitung und Seelsorge, dem berufsethischen Unterricht in der Aus- und Fortbildung und den Seminaren und Freizeitangeboten für die Polizisten des Landes Nordrhein-Westfalen vorgestellt.

„Ich bin dankbar für das hohe Ansehen, das Polizeiseelsorger im Bereich der Polizei haben“, sagte Weihbischof Manfred Melzer aus Köln, Bischof für die Polizeiseelsorge. Wenn sich Polizeiseelsorger auf den Weg zu Polizeibeamten begäben, sei klar, dass sie gebraucht würden, um „an oder für oder in der Polizei Seelsorger zu sein“. Polizisten seien wachsam und hätten einen guten Blick darauf, was sie selbst von einem Seelsorger benötigten und wo deren Begleitung von anderen gebraucht werde. „Die ersten Ratgeber für unsere Polizeiseelsorger sind nicht immer wir Bischöfe oder die Führungskräfte der Polizeiverwaltung, vielmehr die zahlreichen Polizeibeamten, die ihren verantwortungsvollen Dienst wahrnehmen“, so Weihbischof Melzer.

archiv Die Kirche sei durch ihre Kirchengemeinden, Caritas-Einrichtungen, Krankenhäuser und Schulen in der Gesellschaft präsent, sagte der Kölner Weihbischof weiter. Ebenso wichtig sei das seelsorgliche Angebot in bestimmten Gesellschafts- und Berufsbereichen. „Es geht darum, gegenwärtig zu sein und ein Gesicht zu zeigen bei den Polizeibeamten, bei ihnen als Menschen und als Polizisten.“ Die Polizei sei ein wichtiger Handlungsort der Kirche, so Weihbischof Melzer. Das erfordere von der Kirche eine große Offenheit und Toleranz, wobei gleichzeitig der eigene Auftrag nicht vergessen werden dürfe. „Eine lebensorientierte und lernende Pastoral ist uns als Kirche wichtig. Dabei wenden wir uns den Menschen zu, so wie sie sind und so wie sie geworden sind, ohne den Kern der Botschaft Jesu aufzugeben.“

Polizeiseelsorger, Polizeipräsidenten, Polizeibeamte des Höheren Dienstes der Polizei und Landräte nahmen am „Begegnungstag Kirche und Polizei“ teil.

Polizeiseelsorger Dr. Michael Arnemann aus Münster stellte in seinem Vortrag die Arbeit der Polizeiseelsorge als Dienst der Kirche vor. Die Kirche unterstütze durch ihren berufsethischen Unterricht die Aus- und Fortbildung von Polizeibeamten und sei präsent bei der seelsorglichen Begleitung von Polizisten. Im westdeutschen Raum gäbe es die Polizeiseelsorge bereits seit 80 Jahren, erinnerte Dr. Arnemann. Dabei sei eine freie und unabhängige Mitarbeit der Kirche in der Polizei und den Polizeischulen heute ein wesentliches Kennzeichen. Eine Vereinbarung aus dem Jahr 1962 kläre, dass die Kirche einen Dienst leiste an allen bei der Polizei tätigen Menschen, unabhängig von deren Religion oder Konfession, so Dr. Arnemann weiter. „Mit der Polizeiseelsorge verrichtet die Kirche einen Dienst für alle und wirkt so in der Mitte der Gesellschaft.“

Monsignore Wolfgang Bender, Diözesanpolizeipfarrer und Diözesanbeauftragter der Polizeiseelsorge im Erzbistum Paderborn, stellte den Teilnehmern das umfangreiche Angebot der Polizeiseelsorge im Erzbistum Paderborn vor. „Wir stehen Ihnen zur Verfügung bei der gottesdienstlichen Gestaltung von dienstlichen Anlässen und privaten Feiern, stehen aber auch an Ihrer Seite bei beruflichen oder privaten Belastungen und Sorgen, nach belastenden Einsätzen und traumatisierenden Erlebnissen und bei der Betreuung von Opfern von Unfällen und Strafdelikten. Melden Sie sich bei uns!“


Polizeiseelsorge äußert sich zum Konsultationsprozess des Erzbistums Paderborn


Polizeiseelsorge im Erzbistum Paderborn –
Dienst der Kirche für Polizei und Gesellschaft


Nachdem der Erzbischof von Paderborn Hans-Josef Becker am 30.10.2004 unter dem Titel „Auf Dein Wort hin werfen wir die Netze neu aus – Pastorale Perspektive 2014“ der Kirche von Paderborn veröffentlicht und vorgestellt hat und damit zu einem „Konsultationsprozeß“ aufgerufen hat, um die pastoralen Konturen zu präzisieren und zu aktualisieren, wollen auch die Polizeiseelsorger der Erzdiözese dazu beitragen und nachfolgend das Profil ihres Dienstes darstellen.

Die Polizeiseelsorge als Kategorialseelsorge des Erzbistums vollzieht ihren Dienst der Begleitung von Polizeibeamtinnen und –beamten und ihrer Familien seit mehr als 40 Jahren und trägt somit bei zum „missionarisch Kirche sein“ (Deutsche Bischofskonferenz, 20.11.2000) in der deutschen Gesellschaft mit der speziellen Zielgruppenpastoral an der Polizei.

Auch der Polizeidienst der Bundesländer Nordrhein Westfalens, Hessens und Niedersachsens, in denen unsere Polizeiseelsorger Dienst tun, befindet sich zur Zeit wie viele Lebensbereiche in unserer Gesellschaft in einem Prozeß der Veränderung. In diesen „Umbruchzeiten“, die unsere Bischöfe für die Kirche auch als „Gnadenzeiten“ ansehen, sind die haupt- und nebenamtlichen Polizeiseelsorger der Kirche für die Polizeibamten/innen Gesprächspartner und Begleiter, die in den speziellen Lebenslagen und Einsatzsituationen Orientierung durch den Glauben und Hilfe aus dem Geiste des Evangeliums bieten. Der Seelsorger ist oftmals Anstoß für lebenskundliche und religiöse Fragen im säkularen Umfeld. Dieser „Dienst der Kirche an und in der Polizei“ wird dankbar angenommen und weiter eingefordert, da der Polizeidienst in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche, eines ständigen Werteverfalls und zunehmender Bedrohung durch Organisierte Kriminalität und Fundamentalismus schwerer geworden ist und wird. Die Kirche ist nach wie vor ein verlässlicher Partner der Polizei in ethischen, sozialen und persönlichen Lebensfragen und ist von der Polizeiführung wie von den Mitarbeitern/innen gewollt und gewünscht. Die vorhandenen Seminarangebote der freiwilligen Fortbildung durch die Polizeiseelsorge werden angenommen und reichen aufgrund der großen Nachfrage nicht aus.

Eine Pastoral der Zukunft sollte daher unserer Erfahrung nach gemeinde- und zielgruppenorientiert sein, oder, wie es unser Erzbischof formuliert: „die Pastoral der Gemeinden, der Pastoralverbünde, der Einrichtungen und speziellen Dienste sowie die Seelsorge an besonderen Zielgruppen müssen noch stärker aufeinander abgestimmt werden“ (Pastorale Perspektive 2014). Kirche als Ferment des Glaubens in unserer deutschen und europäischen Gesellschaft sollte neben der kooperativen Dimension von Gemeindepastoral das Wirken in außerkirchliche Lebenswelten mit einschließen, um „an verschiedenen Einsatzorten zur Entfaltung zu kommen“ (ebd.).

Kategorialseelsorge in der Polizei ist missionarisch präsent durch den Dienst der Erteilung des „berufsethischen Unterrichts“ in der Aus- und Fortbildung in Polizeiausbildungsinstituten und örtlich in den Behörden, wie auch durch die begleitende Seelsorge auf den Polizeidienststellen und bei Einsätzen (z.B. Einsatzhundertschaften der Bereitschaftspolizei) und einer Reflexion der polizeilichen Arbeit zum Wohle des Bürgers. Als „missionarische Kirche mit Gottes Geist die Welt mitgestalten“ (ebd.) heißt dann auch, die Polizeiseelsorge als diakonalen und katechetischen Dienst in der speziellen Lebenswelt der Polizei zu betrachten und zu fördern, als Pastoral an der Kirche oft fern stehenden Menschen, die außerhalb von Gemeinden und Pastoralverbünden durch die Polizeiseelsorge dem Anspruch der Botschaft Christi begegnen. Wenn unser Erzbischof nach Prioritäten pastoralen Handelns fragt, dann eben auch in der Pastoral an Menschen, die eine besondere berufsbezogene ethische Verantwortung für unsere Gesellschaft innehaben. Diese bewusst wahrgenommene Verantwortung als Christ in der Polizei kann zu einem verstärkten Engagement der Polizistinnen und Polizisten in Kirche und Gesellschaft führen. Polizeiseelsorger leisten dabei Wegbegleitung und entlasten außerdem seelsorglich und sakramental die Ortsgeistlichen, die zur „Lebenswelt Polizei“ verständlicherweise wenig Zugang haben. Wenn Pastoral der Zukunft zumindest ansatzweise unsere Gesellschaft mit Fernstehenden ansprechen und erreichen soll, ist es sinnvoll, auch weiterhin in der Polizei präsent zu sein in Aus- und Fortbildung, Begleitung und Seelsorge als gutes „Aushängeschild“ kirchlichen Dienstes für die Menschen. Daher sollte in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt ein Seelsorger für die Polizeiseelsorge zur Verfügung stehen, um eine lokale Ansprechbarkeit zu gewährleisten. Unsere Polizeiseelsorger leisten durch ihre nebenamtliche Tätigkeit einen freiwilligen und zusätzlichen Dienst für die Kirche, der in der Kirche verstärkt Anerkennung finden muß. Wenn Polizeiseelsorge weiterhin effektiv sein soll, dann müssen die personellen und finanziellen Ressourcen bereitgestellt werden und auch zukünftig die Information über den Dienst der Seelsorge in Polizei und Feuerwehr, bzw. die Notfallseelsorge in der theologischen und pastoralen Ausbildung der Priester, Diakone und Gemeindereferenten Eingang finden.

Der Dienst der Polizeiseelsorge als Dienst der Kirche in, an und für die Polizei umfasst folgende Bereiche:
  • vertrauliche Gespräche dienstlicher und privater Art (mit Schweigepflicht und Zeugnisverweigerungsrecht)
  • Hilfe bei beruflichen Belastungen und Sorgen
  • Hilfe bei belastenden Einsätzen (z.B. Überbringung von Todesnachrichten)
  • Hilfe bei traumatisierenden Erlebnissen (z.B. Verkehrsunfälle oder nach Schusswaffengebrauch)
  • Hilfe bei der Betreuung von Opfern von Unfällen und Strafdelikten in Verbindung mit der Notfallseelsorge
  • Seelsorgliche Betreuung von Einsatzkräften während des Einsatzes bei Großschadenslagen und danach
  • Berufethischer Unterricht in Aus- und Fortbildung der Polizei als Ort der Wertevermittlung
  • Angebote von Fortbildungsseminaren und Freizeitangeboten der Kirche
  • Reflexion polizeilichen Dienstes in ihren Dienstgruppen
  • Hilfe bei persönlichen Notlagen und privaten Schwierigkeiten
  • Beistand in Krankheit und Trauer, Ehe- und Partnerschaftskrisen
  • gottesdienstliche Gestaltung von dienstlichen Anlässen und privaten Feiern (Taufen, Trauungen etc.); sakramentale Wegbegleitung und Hilfe im Glauben
  • Unterstützung in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen

Polizeiseelsorge als „einladende Pastoral (ebd.) wagt sich in „kirchenfremde Räume“ (ebd.) und sucht innerhalb der Polizei als „Ort …, wo Menschen arbeiten und leben“ (ebd.) den Dialog mit der Gesellschaft an der Schnittstelle Kirche und Polizei.

Die Polizeiseelsorger entwickeln weiterhin die Konturen ihrer pastoralen Arbeit im Konsultationsprozeß und treten hiermit gerne in den Dialog mit unserem Erzbischof und seinen Beratern.

Stukenbrock, im Januar 2005



Weltjugendtag 2005 in Köln


Kath. Polizeiseelsorge
im Erzbistum Paderborn
Im Dezember 2005



Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Polizeidienst,

Vier unserer Paderborner Polizeiseelsorger nahmen mit den Hundertschaften Bielefeld, Dortmund und Bochum im Sommer am Weltjugendtag 2005 in Köln teil. Für uns alle ein beeindruckendes Erlebnis. Auch die Kollegen der Bereitschaftspolizei waren fasziniert von der friedfertigen und frohen Stimmung dieses Jugendtreffens mit dem Papst, da sie ja sonst nicht selten einem anderen und gewaltbereiten Klientel gegenüber stehen. Fröhlichkeit und ausgelassenes Feiern muß also nicht zwangsläufig zu Randale führen. Die Freude dieser Tage wirkte ansteckend und ermutigend und zeigte, dass junge Menschen sehr wohl bereit sind, für ihren Glauben an GOTT und JESUS CHRISTUS Strapazen auf sich zu nehmen, IHM zu folgen und für ihren Glauben auf die Straße zu gehen, ganz entgegengesetzt zum heutigen Trend unserer post-modernen Gesellschaft, dass Glaube und Kirchebestenfalls Privatsache ist und für die jungen Leuten keine Bedeutung mehr hat. Ist Religion wieder im Trend? Oder folgten die Teilnehmer des Weltjugendtags nur dem Ruf eines Spaß-„happenings“ oder „-events“ ohne wirklichem Tiefgang? Wer die betenden, feiernden und diskutierenden Jugendlichen im Kölner Dom, in der Innenstadt oder in den vielen Kirchengemeinden bei den Katechesen mit Priestern und Bischöfen gesehen und erlebt hat, hat sicherlich gespürt, dass diese jungen Menschen aus der weiten Welt wirkliche Freude in sich trugen und sich ernsthaft mit den Problemen dieser Welt im Jahr 2005, Krieg und Unfrieden, Intoleranz und Fundamentalismus, Terrorismus und Globalisierung, Arbeitslosigkeit und Armut in weiten Teilen der Welt, beschäftigten und gemeinsam Hilfe aus unserem Glauben an Gott für ihren Lebensweg suchten. Oder, wie es Papst Benedikt XVI. betonte: „Ich bin glücklich, mitten unter den Jugendlichen zu sein, ihren Glauben zu stützen und ihre Hoffnung zu beleben. Zugleich bin ich sicher, dass auch ich etwas von den jungen Leuten empfangen werde, von ihrer Begeisterung, ihrer Einfühlsamkeit und ihrer Bereitschaft, sich mit den Herausforderungen der Zeit auseinander zu setzen“.

Was war über das äußere Ereignis eines Megajugendtreffens hinaus der tiefere Grund, die wirkliche Motivation für die vielen jungen Menschen, Geld, Zeit und Kraft zu investieren, tausende und zehntausende Kilometer zu reisen, um an den Rhein zu kommen?

Es war sicherlich der Ruf Gottes, sich auf den Weg zu machen und den Stern zu suchen, für den es sich zu leben lohnt „Wir sind gekommen, um IHN anzubeten“. Dieses Leitwort des Weltjugendtages ist dem Abschnitt von der Huldigung der Sterndeuter Neuen Testament (Mt 2,1-12) entnommen. Gemeinsam machten sich die drei Sterndeuter auf, folgten dem Stern und kommen zu Herodes mit der Frage, wo der neugeborene König der Juden sei. Fragen zu formulieren und hinter den Sinn des Lebens zu kommen, dass treibt auch heute Menschen an, denen Aktienkurse, gefüllte Kühlschränke und Bankkonten zu wenig Inhalt und Sinn für ihr Leben sind. „Wir fragen zwar heute nicht nach einem König; aber wir sind unruhig über den Zustand der Welt, und wir fragen: wo finde ich Maßstäbe, um an der Gestaltung von Gegenwart und Zukunft der Welt verantwortlich mitzuwirken?“, so der Papst in Köln. Von welchem der vielen Sterne unseres Lebens werden wir angetrieben in unseren Familien und Freundeskreisen, in unserem Dienst am Bürger und Menschen als Polizeibeamtin/ -beamter?

Als es schließlich zur Begegnung mit dem Kind in der Krippe, dessen Geburtsfest wir bald wieder feiern können, kommt, sind die Sterndeuter fasziniert und beschämt zugleich: das ist nicht nur der neugeborene König der Juden, sondern in seiner Demut, Kleinheit und Zerbrechlichkeit der König der Welt, der Messias, der uns durch sein Leben und Sterben einen Zugang zu Gott und untereinander und damit zum Sinn des Lebens schenkt.

Die Sterndeuter finden den neugeborenen König, den Retter, nicht im Palast in Jerusalem. Erst, als sie den Mächtigen den Rücken kehren, finden sie IHN bei den zu kurz Gekommenen, den Benachteiligten im Stall. Den Sinn finden dort, wo man ihn nicht vermutet, eben nicht im Reichtum, in der Macht und in Äußerlichkeiten.

Um im biblischen Bild des Weltjugendtags zu bleiben: sich auf den Weg machen, im Leben wie auch als polizeilicher „streetworker“ auf der Straße, sich vom richtigen Stern leiten zu lassen, sich nicht einschüchtern lassen im Kampf für das Gute im Menschen, IHM, dem Heil begegnen, auch in unseren Mitmenschen dienstlich und privat, etwas von sich geben, Zeit, Interesse und Geduld, sich verändern lassenim Guten und immer wieder aufzubrechen trotz Rück- und Niederschläge aus unserer Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit, das wünsche ich Ihnen im weihnachtlichen Sinn, wie es auch die Sterndeutern aus dem Morgenland erfahren durften.

Die Polizeiseelsorge dankt Ihnen an dieser Stelle für diesen Dienst in diesem Jahr und freut sich wieder auf viele Begegnungen unserer Polizeiseelsorger mit den Kollegen und Kolleginnen in den Dienststellen, mit Ihren Familien und Lebenspartnern bei einer unserer Veranstaltungen oder in den Dienststellen. Wir stehen Ihnen zur Verfügung bei schönen und positiven wie auch belastenden und schweren Erlebnissen und Erfahrungen.

Ihnen, Ihren Ehe- und Lebenspartnern und Familien wünschen alle Polizeiseelsorger, Frau de Kegel als Sekretärin der Polizeiseelsorge und ich ein Gesegnetes Weihnachtsfest, Freude, Gesundheit und Sinn in Ihrem Dienst für die Menschen unseresLandes im Jahr 2006.

Ihr Polizeipfarrer

Wolfgang Bender



Castor-Transport nach Gorleben November 2004


Beim in Kürze stattfindenden Atomtransport nach Gorleben in Niedersachsen wird wieder die Polizeiseelsorge auch unseres Erzbistums vertreten sein.

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Die insgesamt ca. 15.000 Polizei- und Bundesgrenzschutzbeamten werden von Pfarrern und Seelsorgern der Polizei- und BGS-Seelsorge begleitet. So betreuen wieder die Bereitschaftspolizei-Einsatzhundertschaften aus Bochum, Dortmund und Bielefeld die Seelsorger Diakon Klaus Krüger aus Paderborn und der Diözesanbeauftragte Polizeipfarrer Wolfgang Bender. Erstmalig wird auch Vikar Henner Pohlschmidt, Polizeiseelsorger für die Kreispolizeibehörde Unna die oben genannten begleiten.

Die drei Seelsorger stehen für dienstliche oder private Gespräche zur Verfügung und besuchen die einzelnen Gruppen und Züge der Hundertschaften bei ihren Objekt-, Raum- und Personenschuztaufgaben am Rande des Castor-Transports. Auch Gespräche mit Anwohnern und Demonstranten sind geplant, um insgesamt deeskalierend auf die Anwesenden zu wirken.

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Im Akutfall stehen die Seelsorger zur Verfügung, um traumatisierten Polizeibeamten psycho-sozial und seelsorgerlich zu helfen. Die Polizeiführung begrüßt und unterstützt diese spezielle Aufgabe des Dienstes der Kirche in der Polizei ausdrücklich.



Gedenkveranstaltung im Institut für Aus- und Fortbildung "Erich Klausener"
in Stukenbrock am 30.Juni 2004


Am 30. Juni fand um 11.00 Uhr eine interne Gedenkfeier für den Namensgeber der Polizeischule "Erich Klausener" in Stukenbrock statt. Anläßlich des 70. Todestags Klauseners an diesem Tag, seiner Hinrichtung durch die SS, hielt Polizeipfarrer Bender folgende Ansprache:

Sehr geehrter Leiter unseres Bildungszentrums Herr Möller, verehrtes Stammpersonal, liebe Kollegen Fachlehrer und Fachlehrerinnen, liebe Studentinnen und Studenten der Fachhochschulen!

Vorweg darf ich Grüße ausrichten von Herrn Schmidt, dem Leiter des IAF in Selm, den ich vorgestern traf, und der unsere heutige Gedenk- und Erinnerungsveranstaltung ausdrücklich begrüßt.

Es ist deutlich geworden, warum wir heute an den Namensgeber dieser Polizeiausbildungsstätte „Erich Klausener“ erinnern. Auch haben wir gut seinen Lebensweg von seiner Geburt im Rheinland bis zu seinem gewaltsamen Tod heute vor 70 Jahren in Berlin in Wort und Bild beschrieben bekommen. Danke dafür!

Den Wiederbegründern der Polizei im Rheinland und in Westfalen nach dem Krieg und der Besatzungszeit war es in den Fünfziger Jahren wohl wichtig, mit der Namensgebung unseres Instituts und seiner Vorgängereinrichtungen ständig an einen Menschen zu erinnern, auf den die Polizei in NRW stolz ist, weil er eine frühe Symbolfigur des Widerstands gegen die Nationalsozialisten ist.

Es stellt sich die Frage, wer ist EK für uns heute?

In den Wirren am Ende des 1. Weltkriegs war EK ein sozial eingestellter und handelnder junger Landrat im Adenaukreis und in Recklinghausen. Bekannt ist sein Einsatz für die arme Landbevölkerung der Eifel wie auch für die Arbeiter im Ruhrgebiet nach dem Krieg. Auf seine Initiative wurden Kinderheime und Krankenhäuser eingerichtet und die Behindertenfürsorge neu gestaltet. Bei seiner Verabschiedungsfeier 1924 in Recklinghausen sagte Prof. Weskamp über K.:

„Die Notleidenden konnten sich keinen besseren Fürsprecher und Anwalt aussuchen, als sie ihn in Herrn Dr.Klausener gefunden haben“.

Selbst die Kommunisten bekannten bei seiner Verabschiedung nach Berlin: „Wir erkennen gern an, dass die meisten Anregungen auf sozialem Gebiet stets von seiten des Landrats Klausener kamen“.

Auch nach seiner Berufung zum Leiter der Abteilung für Jugend- und Erwerbslosenfürsorge war er ein engagierter Verwaltungsbeamter, dem die Not der Jugend und der vielen Arbeitslosen im Deutschland der Zwanziger Jahre nicht gleichgültig war. Sein soziales Bewusstsein brachte Hilfsaktionen für die Arbeits- und Erwerbslosen in Gang, um die große Not zumindest zu lindern, z.B. das Winterhilfswerk der preußischen Staatsregierung.

In seiner Funktion als Leiter der Polizei im Innenministerium ab 1926 war er ein Vorbild an Pflichterfüllung und Gerechtigkeitssinn, der sich stets für seine Mitarbeiter und für die Belange der Polizei einsetzte. Er leitete energisch den Kampf der Polizei gegen Aus-schreitungen der Nationalsozialisten vor 1933, weshalb er auch nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in das unbedeutende Verkehrsministerium abgeschoben wurde. Dabei war er immer erfüllt von einer Liebe zu seinem Vaterland, das er in diesen Jahren der politischen Instabilität leiden sah.

EK war auch ein guter Ehemann und Vater, der sich stets Zeit nahm für seine Familie. Der Samstagnachmittag und der Sonntag gehörten seiner Familie, die ihm Rückhalt und Unterstützung gaben.

Mit seiner Tätigkeit als Leiter der katholischen Aktion in Berlin war K. ein engagierter Christ, der seinen Glauben an Gott bekannt und gelebt hat besonders gegen die Gottlosigkeit und Menschenverachtung der National-sozialisten in ihrem Hass auf die Kirchen. Der christliche Glaube war ihm Kraftquelle für seine Arbeit und für sein ihm selbstverständliches Engagement für die Menschen seiner Zeit.

EK wurde durch seine Hinrichtung der erste katholische Martyrer unter dem NS-Regime. In Zeiten so genannter „Gotteskrieger“ und sich selbst ernennender „Martyrer“ eines terroristischen Islamismus heute ist es gut, deutlich zu machen, was die Kirche unter einem Martyrer versteht.

Der Martyrer ist ein wegen seines Glaubens hingerichteter Christ, dessen Sterben ein Zeugnis für die Wahrheit ist. Kein Martyrer ist ein von sich selbst oder seinen Kampfgenossen so genannter irregeleiteter Mensch, der sich, geblendet für eine ungerechte Sache, selbst umbringt und dabei noch andere unschuldige Menschen mit in den Tod reist. Jeder Mensch muß zwar seinem Gewissen folgen, aber die Richtigkeit seines Handelns muß sich ebenso an objektiv überprüfbaren Kriterien wie die Würde und das Lebensrecht jedes Menschen orientieren. Ein Martyrer kann nur so bezeichnet werden, wenn er sein Leben für das objektiv Richtige und nicht das vermeintlich subjektiv Richtige oder Gute hin gibt.

EK ist ermordet worden wegen seines Einsatzes für die Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit der Menschen im Deutschland seiner Zeit und gegen ein die menschliche Würde verachtendes totalitäres Unrechtsregime und kann somit als Martyrer bezeichnet werden.

K. wollte kein Martyrer werden, dafür liebte er sein Leben zu sehr. Aber er war ein Mann der Prinzipien und so konnte er nicht schweigen zu dem sozialen Unrecht im Deutschland der Zwanziger und Dreißiger Jahre und schon gar nicht zu dem sich ankündigenden Terror der Nationalsozialisten.

Zitat K.s in einer Rede: „Wir wollen Menschen sein, die im Leben etwas leisten, Menschen mit dem Mut der Verantwortlichkeit für sich und die ihnen Anvertrauten. Menschen, die die Stärke besitzen, auch gegen den Strom zu schwimmen, deren Grundsatzfestigkeit auch die Achtung der Gegner erzwingt“.

Als ein solcher Mensch mit Grundsätzen und Prinzipien, heute würden wir das Wertebewusstsein nennen, wurde K. den neuen braunen Machthabern gefährlich und so beschloß man, ihn früh zu beseitigen.

EK ist
  • ein Beispiel gelungenen christlichen Lebens
  • ein glaubwürdiger Zeuge für die Wahrheit des Lebens
  • ein Symbol des frühen Widerstands gegen Hitler
  • ein Beispiel eines engagierten Menschen für die Ärmeren und Schwächeren der Gesellschaft
  • ein Patriot im positiven Sinne, der als Staatsdiener Deutschland liebte, aber nicht zum Nationalisten wurde

Ob er ein Vorbild ist für uns, kann jeder nur für sich selbst beantworten.

Aber auch unsere Zeit braucht Vorbilder, Menschen, die „mit dem Mut der Verantwortlichkeit für sich und die ihnen Anvertrauten“, ethische Werte wie Gerechtigkeit, Freiheit, sozialer Ausgleich, Gleichberechtigung und Gleichheit aller Menschen, die Würde und den Wert der menschlichen Person zu verwirklichen suchen selbst in schwierigen Lebenssituationen und manchmal auf Kosten eigener Selbstverwirklichung und Freiheit.

Das Leben gibt auch uns, besonders im Polizeidienst Situationen, in denen nicht nur schnelles, richtiges und professionelles Handeln gefragt ist, sondern in denen auch Mut, Besonnenheit, Achtung vor jedem Menschen und Respekt dem Geheimnis des Lebens gegenüber erforderlich sind. Dafür werden sie hier und in den Hochschulen ausgebildet.

In welchen Geist wir unseren Beruf ausüben zum Wohl der Menschen unseres Landes ist entscheidend auch für unser eigenes Lebensgefühl. In einer Welt, in der nicht nur in Kriegsgebieten, sondern auch hier bei uns von vielen unserer Zeitgenossen die Werte unserer Verfassung, die sie in der Vereidigung in der kommenden Woche ja zu verwirklichen versprechen, mit Füßen getreten werden, brauchen wir neben einem guten Lebensgefühl einer Gemeinschaft der Polizei eine starke Demokratie in unserem Land und einen Sinn-Grund, an dem man sich fest machen kann. Bei EK war dieser Sinngrund sein Glaube an Gott und seine Liebe zur Wahrheit und Gerechtigkeit, für die es sich einzusetzen lohnt.

„Dr. Klausener ist ein Mann von hervorragender Gesinnung, und in aller Festigkeit seines Charakters und bei der Zähigkeit seines Wollens ist er stets ein Mann des Friedens und des Ausgleichs gewesen“.

Zum Zeichen dafür, dass jede Zeit Menschen des Ausgleichs und des Friedens braucht, und dass jeder Einzelne von uns für Frieden in seiner Umgebung verantwortlich ist, wollen wir demnächst, das Einverständnis der Polizeiführung vorausgesetzt, ein Symbol für Frieden auf der Welt, einen sog. Friedensmahner auf dem Gelände unseres BZs aufstellen.

Abschließend darf ich sie alle einladen, am 26. September an einer Polizeifriedenswallfahrt mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland in Köln teil zu nehmen. Weitere Informationen dazu erhalten sie bei mir oder im Jahrgangsbüro.

Als Zeichen unserer Wertschätzung für EK und aller Menschen, die für Freiheit und Gerechtigkeit ihr Leben lassen mussten und müssen, erheben wir uns zu einer Schweigeminute. Noch einmal ein Wort EK:

„Sei wahrhaftig in deinem Handeln,

breche nie dein Wort,

zeige kein falsches Prestige.“



…. Ich danke für ihre Aufmerksamkeit!